Globale Box Organisationen: Ein Leitfaden

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Die meisten Sportarten dieser Welt verfügen über eine einheitliche Organisation oder einen einzigen Verband, die dann wiederum für die Austragung der nationalen, kontinentalen oder globalen Veranstaltungen verantwortlich sind. Die Welt des Boxens ist hingegen gespalten.

Das bedeutet, dass es nicht den einen Wettbewerb oder den einen Gürtel gibt, den ein Boxer gewinnen kann und der ihm den Titel “der Beste” oder “der Meister” verschafft. Stattdessen gibt es diverse Veranstaltungsarten, die alle von sich behaupten, den besten Boxer zu krönen. So kann es beispielsweise bis zu vier „Weltmeister im Schwergewicht“ geben, denn WBC, WBO, IBF und WBA verleihen allesamt diesen Titel in ihren jeweiligen Veranstaltungen, wobei es auch noch Platz für einen Linearen Weltmeister gibt und einen Box-Weltmeistertitel, der vom Magazin „The Ring“ verliehen wird.

Wo liegt der Unterschied zwischen WBA, WBC, IBF und WBO?

Kein Wunder, dass viele Sportfans überfragt sind, wo denn genau der Unterschied zwischen den WBA, WBC und IBF und WBO Meisterschaften im Boxen liegt. Die simple Antwort lautet, dass es keine einzelne, führende Box Organisation auf dieser Welt gibt, die im Alleingang den „Weltmeister“ ermitteln könnte – also eine zentrale Organisation, wie sie z.B. die FIFA im Fußball ist oder die ATP im Männer-Tennis. Aus diesem Grund bemühen sich alle existierenden Organisationen, ihre jeweiligen Champions ins Rampenlicht zu rücken, wobei auch alle der vier Weltmeister von sich behaupten, der Beste der Welt zu sein.

Um wahrlich von sich behaupten zu können, der beste Boxer der Welt zu sein, müssen Boxer lernen, das Wettkampf-Wirrwarr der verschiedenen globalen Box Organisationen und Ringe richtig zu navigieren und anschließend hoffentlich alle vier Titel für sich entscheiden zu können. Es ist ein häufiges Spektakel, dass beispielsweise der WBO Champion in einem sogenannten Unifikationskampf den WBC Champion herausfordert und dabei seinen eigenen Titel aufs Spiel setzt, um anschließend im Fall eines Siegs beide Gürtel für sich beanspruchen zu können.

Unangefochtene Champions sind so etwas wie eine Rarität – und das gilt ganz besonders in der Schwergewichts-Division. Im vergangenen Jahrzehnt konnten lediglich der Halbschwergewichts-Boxer Oleksander Usyk und der Leichtgewichts-Boxer Terrence Crawford diesen Ritterschlag der Box-Welt für sich beanspruchen. Bei den Frauen konnten die Leichtgewichts-Boxerin Katie Taylor und die Weltergewicht-Boxerin Cecilia Brækhus und Mittelgewicht-Boxerin Claressa Shields diesen riesigen Erfolg erringen.

Der riesige Einfluss von Werbung und PR im Boxsport verkompliziert die Sache noch: Die Top-Kämpfer kämpfen in ihrer Hochphase oft gar nicht gegeneinander, weil sie beide darauf spitzeln, den allerbesten Deal abzuwarten. So kann es sein, dass sich die besten Boxer der Welt gar nicht begegnen. Besonders bekannte Beispiele für diesen Umstand sind Felix Trinidad und Ike Quartey, Sugar Ray Leonard und Aaron Pryor, Roy Jones Jr und Nigel Benn, während der Kampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao erst stattfand, nachdem beide ihren Zenit bereits überschritten hatten.

In den folgenden Absätzen widmen wir uns im Detail den größten Box-Organisation dieser Welt, sowie den fünf besten Kämpfern in jeder der Gewichtsklassen, damit Sie ein besseres Verständnis davon bekommen, wie der Sport funktioniert und damit Sie anschließend die Chance haben, in der Zukunft erfolgreiche Sportwetten abzuschließen.

WBA – World Boxing Association

Die World Boxing Association ist die älteste der vier wichtigsten globalen Box-Organisationen, neben IBF, WBF und WBO. Die WBA wurde 1921 in den USA gegründet. Bis 1962 war der Verband als National Boxing Association bekannt. Als die Popularität des Sports immer größer wurde, beschlossen die Verantwortlichen allerdings eine Namensänderung, um auch ein globales Publikum anzusprechen.  Der erste Wettkampf unter dem ursprünglichen Namen der Vereinigung fand 1921 statt. Der amerikanische Box-Veteran Jack Dempsey knockte dabei seinen Gegner, den Franzosen Georges Carpentier in der vierten Runde aus und kürte sich so zum ersten Schwergewichts-Champion überhaupt.

Die WBA Rangliste und Gewichtsklassen

Aktuell gibt es 17 verschiedene Gewichtsklassen in der WBA, sowie 16 verschiedene Gewichtsklassen für Frauen.  In der WBA gibt es jeweils einen Super World Champion und einen Regular World Champion in jeder Gewichtsklasse (was wir im nächsten Absatz noch genauer erläutern werden). Dahinter erstellt der Verband eine Platzierung der nächsten 15 besten Kämpfer, also der Top-Titelanwärter.

Um sicherzustellen, dass die bestplatzierten Kämpfer auch tatsächlich gegen den amtierenden Champion antreten können, kann die WBA (so wie auch die drei anderen Box-Organisationen) intervenieren und auf verpflichtende Kämpfe bestehen, die die Champions dann auch innerhalb eines gewissen Zeitraums akzeptieren müssen. Falls nicht, kann ihnen der Champion-Gürtel aberkannt werden. So werden die Kämpfer einerseits daran gehindert, dass die Weltmeister zu lange an ihren Gürteln festhalten, obwohl sie eigentlich gerade inaktiv sind. Andererseits können die Champions so daran gehindert werden, dass sie sich nur „einfache“ Kämpfe aussuchen, um ihren Gürtel behalten zu können.

Welche verschiedenen WBA Champions und Gürtel gibt es?

Die Liste an verschiedenen WBA Champions kann auf den ersten Blick ganz schön verwirrend sein, da es in einer Gewichtsklasse oft mehrere Champions und Gürtelhalter gibt. Die WBA vergibt für jede Division zwei verschiedene Titel: Den “Regular Champion” und den “Super Champion”. Dieser Umstand ergibt sich aus der Tatsache, dass die WBA auch die Titel-Verteidiger von WBC, WBO und IBF anerkennt. Als Super Champion gilt gemeinhin jeder Kämpfer, der aktuell zwei oder mehr der vier wichtigsten Gürtel sein Eigen nennt. Wenn es in einer Division einen Super Champion gibt, erlaubt die WBA auch einen regulären Champion, wobei ein Regular Champion auch ein Super Champion werden kann, wenn es ihm gelingt, seinen WBA-Titel fünfmal zu verteidigen.

Berühmte WBA Champions

Seit die Vereinigung 1962 in WBA umbenannt wurde, gab es mehr als 45 Schwergewichts-Champions, wobei Wladimir Klitschko den Rekord als längster amtierender Titelträger (1610 Tage) hält, bevor er im November 2015 überraschend von Tyson Fury geschlagen wurde. Hier hat sich eindrucksvoll gezeigt, dass Überraschungen, Schocks und Dramen genauso zum Boxen gehören wie zu jeder anderen Sportart auch – aus diesem Grund sollten Sie sicherstellen, dass sie dieses Wissen immer in Ihre Überlegungen zur besten Wettstrategie miteinbeziehen.

Den Gürtel musste Fury ein Jahr später übrigens wieder abgeben, nachdem er den Revanche-Kampf mit Klitschko abgesagt hat, woraufhin Anthony Joshua den Titel für sich beanspruchen konnte. In einem legendären Kampf im Wembley-Stadion konnte Joshua den Ukrainer Klitschko in der elften Runde K.o. schlagen und kürte sich so zum Super Champion, nachdem er zur gleichen Zeit auch die Titel von IBF und IBO hielt. Allerdings lässt im Boxen der Ärger selten lange auf sich warten und Anthony Joshuas Regentschaft als Weltmeister nahm nach 763 Tagen ein schockierendes Ende, nachdem er von Andy Ruiz Jr ausgeknockt wurde – der als extremer Außenseiter in den Ring stieg, mit einer 14/1 Quote in den Kampf marschierte und seinen Familienmitgliedern mit gewonnenen Box-Wetten ein Vermögen einbrachte – denn die hatten trotz seiner geringen Chancen alle auf ihn gesetzt. Seit Dezember 2019 trägt Anthony Joshua übrigens wieder den Titel des Super-Champions. Während er die erste Revanche gegen Ruiz Jr. im Juni vergangenen Jahres noch durch K.O. in der siebten Runde verloren hatte und mit dieser Niederlage auch alle seine vier Schwergewichts-Titel, gelang ihm in der 2. Revanche ein disziplinierter Sieg und die Rückeroberung der WBA-, IBF-, WBO- und IBO-Schwergewichtstitel. Klar, das Boxen besteht nicht nur aus der Schwergewichts-Division. Jede Gewichtsklasse hat ihre eigenen Stars, man braucht nur an Legenden wie Manny Pacquiao und Floyd Mayweather Jr. im Weltergewicht oder Canelo Alvarez im Mittelgewicht zu denken. Der Brite Amir Khan hat sogar in insgesamt vier Gewichtsklassen gekämpft, Leichtgewicht, leichtes Weltergewicht, Weltergewicht und sogar Mittelgewicht.

Es kommt tatsächlich häufiger vor, dass sich Kämpfer durch mehrere Gewichtsklassen bewegen, wie z.B. als aktuelles Beispiel Oleksandr Usyk, der ins Schwergewicht aufgestiegen ist, nachdem er im Cruisergewicht alle Titel abgeräumt hat.

WBC – World Boxing Council

Der WBC wurde im Jahr 1963 im Zuge einer Kooperation von 11 Ländern gegründet (USA, UK, Frankreich, Mexiko, Panama, Puerto Rico, Argentinien, Chile, Peru, Venezuela und Brasilien). Die Organisation hat seither regelmäßig Kämpfe zwischen einigen der größten Namen im Boxsport organisiert. Außerdem gilt der WBC als die wohl berühmteste Box-Organisation aus allen vier Verbänden  Tatsächlich ist es der Liebe zu großen Namen auf Seiten des WBCs zu verdanken, dass einige der berühmtesten Boxkämpfe aller Zeiten überhaupt je stattgefunden haben, darunter der legendäre “Money Belt”-Kampf zwischen Floyd Mayweather und Conor McGregor im Jahr 2017.

Der World Boxing Council hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Boxsport heute ist, was er ist – besonders, was die Regulierung des Sports betrifft. Es war beispielweise der WBC, der als erste Organisation die Beschränkung von 15 möglichen Runden auf 12 Runden eingeführt hat. Außerdem initiierte der WBC das sogenannte Anzählen im Stehen und führte erheblich mehr verschiedene Gewichtsklassen ein.

WBC Rangliste und Gewichtsklassen

Insgesamt gibt es in der WBC 18 Männer-Gewichtsklassen, sowie 16 Gewichtsklassen für Frauen. Genau wie die WBA erstellt der WBC eine Rangliste mit den 15 Top-Kämpfern in jeder Gewichtsklasse, wobei jede Division einen – oder manchmal zwei – Champions hat. Gott sei Dank sind die WBC Rankings wesentlich weniger verwirrend als jene der Regulären und Super Champions der WBA. Es ist dem WBC besser gelungen, die Integrität seiner Champion-Titel aufrechtzuerhalten – obwohl auch der WBC hin und wieder vorläufige Gürtel verleiht, falls der aktuelle Champion über einen gewissen Zeitraum nicht für einen Kampf zur Verfügung steht.

Darüber hinaus hat der WBC einige Ehren-Titel ins Leben gerufen, wie z.B. die “WBC Diamond Championship” für Kämpfe zwischen hochkarätigen Elite-Boxern, sowie die “WBC Eternal Championship” für überragende Kämpfer, die es vermeiden konnten, einen Welttitel abzugeben und nach einer gewissen Anzahl von Titelverteidigungen mit einer Serie ungeschlagener Kämpfe in den Ruhestand gehen. Giselle Salandy und Vitali Klitschko wurden beide vom Verband mit dem Titel des ewigen Champions ausgezeichnet.

Berühmte WBC Champions

Wer eine Auflistung der größten Namen des Boxens sehen möchte, muss sich lediglich eine Liste der vergangenen WBC-Champions ansehen – und das gilt besonders für die Kämpfer der Schwergewichtsklasse. Hier finden sich Namen wie Sonny Liston, Muhammad Ali, Joe Frazier, George Foreman, Mike Tyson, Evander Holyfield, Lennox Lewis und Frank Bruno unter den Champions. In der langen und beeindruckenden Liste der WBC-Champions befinden sich außerdem Floyd Mayweather Jr, Oscar De La Hoya, Canelo Alvarez und Sugar Ray Leonard.

IBF – International Boxing Federation

Die International Boxing Federation wurde 1983 aus der United States Boxing Association heraus gegründet. Neben dem Boxen rief die IBF Ende 2017 auch eine Muay Thai-Weltmeisterschaft ins Leben, da sich die IBF breiter aufstellen wollte.

IBF Rankings und Gewichtsklassen

Insgesamt gibt es in der IBF 17 verschiedene Gewichtsklassen für die Männer und dieselbe Anzahl an Divisionen für Frauen. Anders als der WBA und der WBC gelingt es der IBF wesentlich besser, jede Gewichtsklasse auf nur einen Titelträger zu beschränken – die Verwirrung über Super Champions, reguläre Champions und zwischenzeitliche Champions gibt es hier nicht.

Berühmte IBF Champions

1984 krönte sich Martin Camel zum ersten IBF Champion aller Zeiten, allerdings war die Organisation in den Anfangstagen nach der Gründung relativ obskur und unbekannt. Es dauerte eine Weile, bis die IBF die Champions der anderen Organisationen anerkannte, darunter Namen wie Larry Holmes, Aaron Pryor, Donald Curry and Marvin Hagler. Danach hatte die IBF allerdings Gelegenheit, den Bekanntheitsgrad der anderen Organisationen zu nutzen, bis ihre eigenen Gürtel mehr Ansehen erhielten. Im Falle von Larry Holmes kam es sogar vor, dass er sich entschied, seinen WBC Titel abzutreten, um anstatt den Titel des IBF zu tragen. Es war eine mutige Aktion, die der Organisation schnell Vorteile und wachsende Bekanntheit einbrachte. Die IBF entwickelte sich in kürzester Zeit zur drittwichtigsten Box-Organisation der Welt.

Großbritanniens IBF Federgewicht-Champion Josh Warrington ist aktuell einer der größten Namen in der Vereinigung, nachdem er 2018 seinen Landsmann Lee Selby bezwingen und den Titel für sich beanspruchen konnte. Gleich danach boxte er Kämpfer wie Carl Frampton, Kid Galahad und Sofiane Takoucht in aufeinanderfolgenden Titelverteidigungskämpfen in Grund und Boden, wobei er letzteren mit einem technischen K.O. aus dem Kampf um den Titel beförderte.

WBO – World Boxing Organization

Die World Boxing Organization wurde von einer Gruppe Geschäftsmänner aus der Dominikanischen Republik und Puerto Rico gegründet, nachdem sie mit einigen der Regeländerungen in der WBA 1988 nicht einverstanden waren. Es gelangt der WBO, sich mit der Hilfe einiger der größten Kämpfer dieser Zeit einen Namen zu machen, darunter Chris Eubank, Joe Calzaghe, Oscar De La Hoya und Wladimir Klitschko. Genau wie die WBA, kennt auch die WBO einen Super Champion für Boxer, die bestimmte Kriterien erfüllen. Die Liste der WBO Super Champions liest sich ebenfalls beeindruckend und umfasst große Namen wie Anthony Joshua, Oleksandr Usyk und Manny Pacquiao. Allerdings werden die WBO Super Titel anders als die der WBA Super Titel eher ehrenhalber verliehen und nicht in Form eines Gürtels in Wettkämpfen gewonnen – aus diesem Grund können Boxer auch nicht die „Super“-Gürtel gewinnen, die andere Boxer verliehen bekamen.

WBO Ranglisten und Gewichtsklassen

Es gibt insgesamt 17 Männer und Frauen Gewichtsklassen, wobei die Damen-Titel der WBO erst 2010 hinzugefügt wurden. Genau wie bei den anderen Box-Meisterschaften erstellt die WBO eine Rangliste mit den 15 besten Boxern in jeder Division und dem jeweiligen Champion. Der Verband erkennt für gewöhnlich nur je einen Champion pro Gewichtsklasse an, wobei hier und da Übergangs-Gürtel verliehen werden, wie z.B. der Gürtel, den John Riel Casimero in der Bantan-Gewichtsklasse errang, während der „wahre“ Champion Zolani Tetiabwesend war.

Berühmte WBO Champions

An dieser Stelle müssen wir klarstellen, dass die WBO nicht immer zu den prestigeträchtigsten Box Organisationen gehörte. Nichtsdestotrotz ist der Verband einer der wichtigsten der Sportart und stellt einen wichtigen Puzzleteil dar, wenn ein Boxer den Versuch unternimmt, als ungeschlagener Champion alle vier Titel für sich zu beanspruchen.

Natürlich gab es in der Geschichte des WBO einige denkwürdige Matches mit den größten Vertretern des Sports, die bis heute in Erinnerung geblieben sind, darunter beispielsweise der Klassiker zwischen Nigel Benn und Chris Eubank im Jahr 1990. In diesem denkwürdigen Kampf sicherte sich Eubank den Titel von Benn infolge eines TKOs in der siebten Runde. Zudem willigten beide Teilnehmer in 1993 ein, eine Revanche auszufechten: Eine Seltenheit im Boxsport.

Auch in der Schwergewichtsklasse gab es über die Jahre einiges an Action, z.B. als sich Tyson Fury Wladimir Klitschkos Gürtel unter den Nagel riss, bevor Joseph Parker Andy Ruiz besiegte, um sich den nun freigewordenen Gürtel zu sichern, der dann aber bald darauf von Anthony Joshua besiegt wurde, der wiederum den Gürtel erneut an Andy Ruiz abgeben musste, seit einer Revanche im Dezember 2019 aber wieder an der Spitze steht – wenn das nicht eindrucksvoll zeigt, wie schwierig es ist, sich an der Spitze dieses Sports zu behaupten.

Was ist der Ring Boxing Champion?

Neben den vier wichtigen Box Organisationen dieser Welt, die jeweils ihren eigenen Champion für jede Gewichtsklasse küren, gibt es auch noch ein paar weitere Welttitel im Boxen, die unter Fans des Sports große Beliebtheit genießen, wie z.B. der Ring Champion oder der Lineare Champion. Genau wie viele andere Box-Vereinigungen gab es in der Vergangenheit zwischen diesen beiden Titeln Verknüpfungen, allerdings sind sie mittlerweile zwei separate Dinge.  The Ring ist eine führende Box-Zeitschrift, die 1922 begann, Box-Weltmeistertitel zu vergeben und diese Tradition bis in die 1990er Jahre fortsetzte. 2001 wurde der Titel dann erneut eingeführt. Die Regeln, anhand derer der The Ring-Titel vergeben wurde, haben sich über die Jahre verändert. Allerdings gibt es heutzutage ein konkretes Regelwerk, anhand dessen bestimmt wird, wann der Titel vergeben oder aberkannt wird. Laut den offiziellen Richtlinien von The Ring, kann ein aktuell unbesetzter Titel nur vergeben werden, wenn der Kampf zwischen dem Top-Titelanwärter von The Ring und dem zweit- oder drittgesetzten Kämpfer stattgefunden hat. Keine anderen Kämpfe können Schauplatz der Titelvergabe sein. Die sogenannten Ring Ratings (also die Rangliste) werden von der Redaktion der Zeitschrift zusammengestellt, mit Unterstützung von internationalen Box-Journalisten.

Falls der Titelträger den Titel aber verliert, wird der Titel nicht automatisch dem Gewinner dieses Kampfs übergeben – es sei denn, er erfüllt die Voraussetzungen der oben dargestellten Meisterschafts-Richtlinien. Der Titel wird außerdem aberkannt, falls er einen Kampf in der Gewichtsklasse verliert, er in eine andere Gewichtsklasse wechselt, er 18 Monate lang keinen Kampf absolviert, wenn er zwei Jahre lang nicht gegen einen Top-5-Gegner antritt oder wenn er in Ruhestand geht oder wegen eines auffälligen Drogentests gesperrt wird. Diese strengen Regeln können dazu führen, dass Titel mitunter jahrelang unbesetzt bleiben. Tatsächlich hat von 2015 bis Anfang 2020 niemand den The Ring-Titel im Weltergewicht für sich beansprucht, nachdem Floyd Mayweather 2015 in Ruhestand gegangen ist. Mayweather selbst beanspruchte den Titel 2013 ein zweites Mal für sich, nachdem er ihn 2008 durch seinen ersten Ruhestand verloren hatte und kein anderer Boxer die Regeln erfüllen konnte. Das bedeutet, dass Mayweather den Weltergewicht-Titel seit 2006 hielt, obwohl er 13 Jahre davon im Ruhestand war.

Die Lineare Meisterschaft funktionierte ganz ähnlich – und für einen gewissen Zeitraum sogar genau – wie der The Ring Titel. Nachdem The Ring 2012 die Regeln erheblich verschärfte, setzte sich bei vielen Beobachtern die Ansicht durch, dass der The Ring Titel der linearen Version bei Weitem überlegen ist und für höhere Qualität steht.

Der Österreichische Boxverband

Bevor sich ein Boxkämpfer die Hoffnung machen kann, international für Aufregung zu sorgen, muss man sich erst einmal durch die nationalen Verbände an die Spitze des eigenen Landes kämpfen. In Österreich wäre das der Österreichische Boxverband, der 1921 gegründet wurde und Mitglied der AIBA (International Boxing Association) und der EUBC (European Boxing Confederation) ist.

Der international wohl berühmteste österreichische Boxer ist Erich Weiss, der in seiner Karriere gleich in drei verschiedenen Gewichtsklassen Europameister wurde: 1936 im Fliegen-, 1939 im Bantam- und 1941 im Federgewicht. Außerdem nahm er als einziger Österreicher im Kampf um eine Weltmeisterschaft in einem ernstzunehmenden Verband teil, verlor den Kampf 1936 aber schließlich an den Franzosen Valentin Angelmann.

Aktuell treten in den Wettkämpfen des ÖBVs Männer und Frauen in insgesamt 10 Gewichtsklassen gegeneinander an. Zudem hat der Verband 2016 ein neues Wettkampfformat etabliert, das nun als die Master Boxing Division bekannt ist.

Die österreichische Box-Nationalmannschaft, im Jahr 2020 bestehend aus Deshire Kurtaj, Michaela Kotaskova, Umar Dzambekov, Marcel Montana Rumpler, Edin Avdic und Ahmed Hagag, tritt im Olympischen Boxen an. Beim Europa Qualifikationsturnier Tokyo 2020 im März wird sich herausstellen, ob Österreich bei den Olympischen Sommerspielen im Juni in Japan auch im Boxen vertreten sein wird.